Wie verlässlich sind Ökostrom-Zertifikate?

Wie verlässlich sind Ökostrom-Zertifikate?

Die Nachfrage nach Ökostrom steigt immer weiter an. Spiegel online berichtet, dass bereits 95 % der Deutschen den Ausbau und die Nutzung von Ökostrom-Kraftwerken befürworten. Somit ist die Zustimmung im Vergleich zum letzten Jahr nochmal gewachsen. Die Entscheidung fällt allerdings bei der Vielzahl von Anbietern für Ökostrom schwer. Wie in jeder Branche gibt es auch einige schwarze Schafe, die ihren Strom als umweltfreundlich deklarieren, der aber im Endeffekt doch kein Ökostrom ist.

Siegel und Zertifikate sollen die Verbraucher unterstützen, die wahren Erzeuger von umweltfreundlichem Strom zu identifizieren. Aber selbst bei der Beurteilung der Zertifikate sollte man skeptisch sein. Wir führen im Folgenden Gütesiegel und Ökostrom Zertifikate auf, denen Sie tatsächlich vertrauen können.

Was ist der Unterschied zwischen Ökostrom Zertifikaten und Gütesiegeln?

Was die ganze Beurteilung noch komplizierter macht, ist der Unterschied zwischen Ökostrom Zertifikaten und Gütesiegeln. Bei Zertifikaten handelt es sich meistens um Erzeugerzertifikate. Damit kann nachgewiesen werden, woher der Stromanbieter den Strom für seine Kunden bezieht. Mit einem Gütesiegel wiederum kann der Anbieter belegen, dass mit dem Stromtarif ein bestimmter Umweltnutzen verbunden ist.

Leider gibt es aber keine einheitlichen Vorgaben für die Vergabe eines Ökostrom Zertifikats oder eines Gütesiegels. Diese legen die meist privaten Unternehmen selbst fest. Ein häufig vorausgesetztes Kriterium ist beispielsweise, dass die Anlagen ein bestimmtes Alter nicht überschritten dürfen. Oder aber, es muss versichert werden, dass ein Anteil des Strompreises vom Anbieter in den Neubau von umweltfreundlichen Kraftwerken investiert wird.

Etikettenschwindel mit RECS-Zertifikaten?

Da Erzeugerzertifikate handelbar sind, sind sie teilweise nicht vertrauenswürdig. Hierbei waren vor allem die RECS-Zertifikate den Umweltverbänden ein Dorn im Auge. RECS steht für Renewable Energy Certificate System und funktioniert folgendermaßen: Für jede Megawattstunde (MWh) erzeugten Ökostrom wird ein Zertifikat erworben. Dieses kann allerdings frei gehandelt werden. Somit kann es vorkommen, dass ein Unternehmen ein solches Ökostrom Zertifikat erwirbt und sich damit auszeichnet, ohne dass es überhaupt Strom aus umweltfreundlichen Quellen produziert hat. Der Verkäufer wiederum darf seinen Ökostrom dann nicht mehr als solchen auszeichnen.

Kritiker bezeichnen dies als Greenwashing (Grünstromwäsche). Hiermit können z.B. große Konzerne auch Strom aus älteren Wasserkraftwerken oder sogenannten Graustrom als Ökostrom auszeichnen. Das hat so natürlich keine Aussagekraft über die Umweltverträglichkeit des Stroms und dient hauptsächlich zur Täuschung des Verbrauchers. Aufgrund der Kritik wurde das System bis 2016 eingestellt und durch das EECS-GoO-System ersetzt, welches von der Infrastruktur den RECS-Zertifikaten ähnelt, allerdings auf EU-Richtlinien basiert.

Überblick über verlässliche Gütesiegel

Wer wirklich sichergehen will, dass sein Strom komplett aus erneuerbaren Energien stammt, sollte sich lieber auf offizielle Gütesiegel verlassen. Hier gelten strengere Vorgaben: Z. B. müssen Stromanbieter nachweisen, dass sie den Ausbau von regenerativen Anlagen fördern. Die vier wichtigsten fassen wir Ihnen im Folgenden kurz zusammen.

TÜV-Nord

Der TÜV vergibt nicht nur Ökostrom Zertifikate, sondern hat auch eigene Gütesiegel mit denen sie gezielt Stromanbieter auszeichnen. Hierbei unterscheiden sich aber TÜV Nord und TÜV Süd. Der TÜV Nord vergibt kein Siegel an Strom aus Förderinstrumenten. Hiermit sind alle gemeint, die eine Einspeisevergütung vom Staat erhalten. Der Strom muss außerdem zu 33 % aus Neuanlagen stammen oder der Anbieter zahlt einen bestimmten Centbetrag pro kWh für den Aufbau von regenerativen Anlagen.

TÜV-Süd

Der TÜV Süd hat zwei unterschiedliche Standards festgelegt nach denen er Gütesiegel vergibt. Allgemein vergibt auch er keine Siegel an staatlich geförderten Strom. Die Gelder, die in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen sollen, müssen beim TÜV Süd zeitnah, d. h. in ein bis drei Jahren, investiert werden. Sollte der Ökostrom teurer als der Strom aus fossilen Quellen sein, so muss der Preisaufschlag zu zwei Dritteln ebenfalls dem Ausbau der regenerativen Energien zugutekommen.

Beim so genannten EE01 Siegel muss der Strom zu 30 % aus Neuanlagen stammen oder der Anbieter investiert hier 0,3 Cent pro kWh in einen Förderfond. Das EE02-Siegel unterscheidet sich zu ersterem durch das Kriterium der Zeitgleichheit. Dies besagt, dass zu jeder Viertelstunde so viel Strom produziert wird, wie die Abnehmer zu der Zeit verbrauchen. So soll gesichert sein, dass der Endkunde lückenlos mit Ökostrom versorgt werden kann.

Grüner Strom Label

Nach den TÜV Labeln ist das Grüner Strom Label ebenfalls eines der strengeren. Hier die Vorgaben im Überblick:

  • Nachweis der Stromherkunft sowie der Strommenge
  • Förderung von Energieprojekten und Bau von Neuanlagen
  • Einhaltung von Umweltkriterien beim Bau von regenerativen Stromanlagen
  • Kein Ökostrom Zertifikat für Anbieter mit Beteiligung an Atom- oder Kohlekraftwerken
  • Nachweis einer nachhaltigen Unternehmenspolitik

ok-power Label

Das ok-power Label beinhaltet drei verschiedene Modelle. Beim Händlermodell muss der Strom zu einem Drittel aus Neuanlagen stammen (die nicht älter als sechs Jahre sein dürfen) und ein weiteres Drittel aus Anlagen, die nicht älter als 12 Jahre alt sind. Das Initiierungsmodell vergibt das Siegel an Anbieter, die selbst Ökostrom produzieren oder diesen einkaufen.

Außerdem muss der Händler ebenfalls in den Bau neuer Anlagen investieren. Es dürfen aber Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden. Bei dem Innovationsfördermodell muss der Anbieter in zukünftige Geschäftsmodelle und innovative Technologien investieren. Dafür zahlen hier allerdings die Stromkunden. 0,3 Cent pro verkaufter kWh müssen in im Voraus ausgewählte Projekte fließen.

Fazit

Gütesiegel ist nicht gleich Gütesiegel und vor allem bei den Ökostrom Zertifikaten muss wirklich genau auf den Inhalt geachtet werden. Es ist also durchaus ratsam, sich im Voraus zu informieren und so den passenden Ökostromanbieter zu finden. PST Energie bietet Ihnen TÜV-Nord-zertifizierten Ökostrom. Gerne beraten wir Sie zum Thema Anbieterwechsel.