Diesel Fahrverbot: Das müssen Sie wissen

Diesel Fahrverbot: Das müssen Sie wissen

Alles begann mit dem VW-Abgasskandal, der im Jahr 2015 seinen Anfang nahm. Am 18. September 2015 wurde bekannt, dass VW eine illegale Abschaltrichtung in der Motor-Steuerung ihrer Diesel-Fahrzeuge verwendete, um so Abgaswerte zu beschönigen. Die US-Umweltschutzbehörde EPA deckte den Skandal auf und warf VW vor die Abgaswerte von über 480.000 Diesel-Fahrzeugen vorsätzlich manipuliert zu haben, um die vorgeschriebenen Abgasvorschriften gezielt zu umgehen. VW wollte so seine Fahrzeuge mit Diesel-Antrieb in den USA beliebter machen.

Der Schuss ging nach Aufdeckung des Skandals allerdings gehörig nach hinten los. Nicht nur in den USA war das Vertrauen in VW erschüttert. Auch in Deutschland gab es einen deutlichen Rückgang an Neuzulassungen für Diesel-Fahrzeuge. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden im Dezember 2017 nur noch rund 85.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Das entspricht einem Rückgang von knapp 24 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen wurden unabhängig von der Fahrzeugmarke erhoben. Somit zeigt sich, dass nicht nur VW mit den Folgen zu kämpfen hat, sondern die gesamte Automobilindustrie. Selbst schuld könnte man jetzt denken. Allerdings reagiert nun die Bundesregierung auf den Skandal und diskutiert über ein Diesel-Fahrverbot in Deutschland. Am 27.02.2018 wurde verkündet, dass es zulässig ist. Aber was bedeutet das nun für die Besitzer von Diesel-Fahrzeugen? Müssen diese nun stehen gelassen werden?

Warum soll es ein Diesel-Fahrverbot geben?

Aufgrund des Skandals bei VW wurden Diesel-Fahrzeuge und ihre Emissionen genauer geprüft. Laut einem Bericht des Spiegels sind 40 % der Stickoxidemissionen auf den Straßenverkehr zurückzuführen. Davon wiederum entfallen ganze 80 % auf Fahrzeuge mit Diesel-Antrieb. Das Umweltbundesamt kam deshalb zu dem Schluss, dass Diesel-Fahrzeuge die Hauptursache für die Luftverschmutzung in Großstädten sind. Aber nicht nur für die Umwelt ist Diesel-Kraftstoff gefährlich: Nach Schätzungen der EU-Kommission sterben in Europa jährlich 400.000 Menschen verfrüht an den Folgen von zu hoher Luftverschmutzung. Das Ergebnis der Messungen ergab, dass in fast 50 Städten die Feinstaubbelastung deutlich zu hoch ist und die Grenzwerte für Stickstoffoxide überschritten werden.

Aus dem Grund soll jetzt mit dem Diesel-Fahrverbot in Ballungsräumen für saubere Luft gesorgt werden. Das ist Teil der Luftreinhaltepläne, zu denen die EU die Mitgliedsstaaten verpflichtet hat. Werden die vorgeschriebenen Grenzen nicht eingehalten, drohen empfindliche Strafen und Sanktionen. In Stuttgart gilt bereits ein Diesel-Fahrverbot für bestimmte Straßen an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung. Auch in anderen großen Städten ist das Diesel-Fahrverbot bereits Thema. So wird auch in München und Düsseldorf ein Fahrverbot für Fahrzeuge mit Diesel-Antrieb diskutiert. Doch ob es verhängt wird oder nicht hängt an den jeweiligen Kommunen, da das Bundesverwaltungsgericht, welches Diesel-Fahrverbote als zulässig deklariert hat, nicht die Kompetenz dafür besitzt.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Generell wären nicht alle der zugelassenen Diesel-Fahrzeuge von einem Fahrverbot betroffen. Ausschlaggebend ist die Schadstoffklasse des Fahrzeugs. Diese wird anhand des Emissionsausstoßes des Fahrzeugs vergeben. Die dabei geltenden Grenzwerte orientieren sich an Abgasnormen, wie der Euro-Norm, und berücksichtigen die Werte von Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffoxid, Kohlenwasserstoff und Partikeln. Die Grenzwerte sind nicht dieselben für Otto- und Dieselmotoren, da letztere einen höheren Ausstoß haben. Zudem wird noch nach Fahrzeugtyp unterschieden, da ein Moped natürlich weniger Schadstoffe ausstößt als ein PKW. Festgelegt sind bei Diesel-Autos sechs Klassen, die teilweise nochmals unterteilt sind. Ein Diesel-Fahrzeug der Schadstoffklasse Euro 1 darf z. B. maximal 2720 mg/km Kohlenstoffmonoxid ausstoßen, in den Klassen Euro 4 bis Euro 6 nur noch 500 mg/km.

Ermitteln kann man die Schadstoffklasse des Fahrzeugs über die Zulassungsbescheinigung Teil I. Dort ist sie in Form einer Schlüsselnummer im Feld 14.1 hinterlegt. Die letzten Ziffern und ggf. Buchstabenkombinationen sind relevant für die Einordnung in Schadstoffklassen. Die Kombinationen 35AO bis 35MO stehen beispielsweise für die Klasse Euro 5, die Kombinationen 36NO bis 36YO codieren die Klasse Euro 6. Das Diesel-Fahrverbot soll für alle Klassen gelten, die schlechter eingestuft sind als die Klasse Euro 5 und Euro 6, wobei das auch die jeweiligen Kommunen festlegen können.

Prinzipiell gilt das Diesel-Fahrverbot nicht für gesamte Stadtgebiete, sondern nur auf ausgewählten Strecken, die dann nicht mehr mit einem Diesel-PKW der Klassen Euro 5 und Euro 6 befahren werden dürfen. Ausgenommen davon sind generell Fahrzeuge wie Taxen, Lieferfahrzeuge und Fahrzeuge von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. Auch sollen Ausnahmen gelten für Anlieger in für Diesel-Fahrzeuge gesperrten Zonen. Wenn man in einem gesperrten Bereich wohnt, arbeitet oder jemanden besucht, darf man auch mit einem Diesel-Fahrzeug einer höheren Schadstoffklasse einfahren.

Wie werden Diesel-Fahrzeuge künftig gekennzeichnet?

Seit dem 01. März 2007 gilt die Verordnung zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen mit geringem Beitrag zur Schadstoffbelastung. Auch diese bemisst sich an den Schadstoffklassen der einzelnen Fahrzeuge und ermöglicht die Einfahrt in bestimmte Umweltzonen in Stadtgebieten – solange man eine grüne Plakette besitzt. Schlechter gestellt sind die Farben Gelbund Rot. Diese dürfen nur eingeschränkt oder gar nicht in die festgelegten Zonen einfahren. Für Diesel-Fahrzeuge ist nun eine zusätzliche Plakette in Planung. Eine hellblaue Plakette soll künftig nachgerüstete Fahrzeuge der Klasse Euro 5 und bereits zugelassene Fahrzeuge der Klasse Euro 6 kennzeichnen. Die neueren und strengeren Klassen Euro-6d-TEMP oder Euro-6d, die deutlich weniger Stickoxide ausstoßen, sollen eine dunkelblaue Plakette erhalten. Der Vorteil wäre, dass die Kommunen die Sperrgebiete so besser anpassen können. Eine stark belastete Stadt, wie München, dürfte so nur Fahrzeuge mit dunkelblauer Markierung hineinlassen, während eine weniger belastete Stadt, wie Köln, auch die hellblau markierten Fahrzeuge zulassen dürfte. Diese Kennzeichnungsregel ist aber noch nicht von der Bundesregierung abgesegnet.

Welche Strafe droht bei Missachtung des Diesel-Fahrverbots?

Aktuell gilt in Städten, die das Fahrverbot bereits durchgesetzt haben, dass beim Einfahren in die gesperrte Zone ohne Ausnahmegenehmigung ein Bußgeld von 25 Euro zu zahlen ist. Sollte die blaue Plakette durchgesetzt werden, wird diese als Ergänzung zu den Schildern der Umweltzonen hinzugefügt. Wenn ab diesem Zeitpunkt jemand ohne Plakette einfährt, muss er 80 Euro bezahlen. Stellt anschließend die zuständige Behörde auch noch fest, dass das Fahrzeug die festgelegten Grenzwerte überschreitet, muss die doppelte Summe gezahlt werden. Diese Bußgelder gelten auch für die bereits etablierten Umweltplaketten. Jede Stadt, die das Diesel-Fahrverbot neu einführt, hat allerdings eine bestimmte Zeit für die Umstellung, sodass dort nicht auf der Stelle gezahlt werden muss, sollte man mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug in die Zonen einfahren.

Kann ich mein Diesel-Fahrzeug nachrüsten?

Es gibt Möglichkeiten, sein altes Diesel-Fahrzeug so aufzurüsten, dass die Schadstoffklasse sich positiv verändert. Eine Katalysator-Nachrüstung ist vor allem für die Fahrzeuge relevant, die keinen Katalysator integriert haben. Die Nachrüstung kostet um die 400 Euro und kann die Schadstoffklasse 00 auf bis zu Euro 2 aufwerten. Für Fahrzeuge, die bereits einen Katalysator haben, der aber altersbedingt ausgetauscht werden muss, bietet sich ein Aufrüst-Katalysator an. Die Kosten bewegen sich im ähnlichen Rahmen wie bei der Neuintegration eines Katalysators und kann ebenfalls die Schadstoffklasse von Euro 1 auf Euro 2 anheben. Ein Rußpartikel-Filter ist die effizienteste Nachrüstungsmethode, da dieser die Ruß-Emissionen um bis zu 40 % senken kann. Die Kosten sind hier allerdings deutlich höher und können bis 1.500 Euro betragen. Zudem ist der Einbau eines solchen Filters nicht bei allen Diesel-Fahrzeugen möglich. Hier lässt man sich am besten von seiner Fachwerkstatt beraten.

Kritik am Diesel-Fahrverbot

Hinter dem Diesel-Fahrverbot stecken durchweg gute Absichten, das ist sicher. Allerdings ist es fraglich, ob ein solches Fahrverbot wirklich die Luftverschmutzung aufhalten und verringern kann. Dazu gibt es momentan noch zu viele Ausnahmeregelungen und Unstimmigkeiten, die das Konstrukt auf wackelige Stelzen stellt. Kritiker vermuten, dass die Luftverschmutzung nicht abnehmen, sondern sich nur verlagern wird, da die Diesel-Fahrzeuge mit einem höheren Schadstoffausstoß die gesperrten Zonen einfach umfahren können.

Wer wirklich einen Beitrag zu einem besseren Umweltschutz leisten möchte, der sollte auf umweltfreundlichere Antriebsstoffe wie Elektronik oder Erdgas umstellen. Erdgasautos haben viele Vorteile und sind mittlerweile schon sehr weit entwickelt, sodass sie bezüglich Leistung einem Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb kaum noch nachstehen. Erdgas verbrennt sehr schadstoffarm und kann effizienter für den Antrieb des Fahrzeugs genutzt werden. PST Purenergy ist überzeugt von Erdgasnutzung.