Wann lohnt sich ein Erdgasauto?

Wann lohnt sich ein Erdgasauto?

Erdgas eignet sich für viele Anwendungsmöglichkeiten: Man kann damit heizen, kochen oder anderweitig Energie erzeugen. Auch als Kraftstoff fürs Auto etabliert es sich langsam und gilt neben Elektro- und Hybridfahrzeugen als sehr umweltfreundlich. Bei der Verbrennung entstehen weniger Stickstoffoxide, was sich positiv auf unsere Umwelt auswirkt. Laut Kraftfahrtbundesamt gab es im Jahr 2016 über 80.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent an der Gesamtzahl aller Fahrzeuge.

Bei all den Vorteilen, die ein Erdgasauto mit sich bringt, darf man aber auch den Aufwand und die Kosten zum Umrüsten nicht außer Acht lassen. Außerdem gibt es noch weitere Punkte, die man durchdenken sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich ein solches Fahrzeug anzuschaffen. Im Folgenden soll erläutert werden, wie ein Erdgasauto funktioniert und für wen sich ein solches Gefährt genau lohnt.

Wie funktioniert ein Erdgasauto?

Betrachtete man die Funktionsweise eines Erdgasautos, so ist dieses nicht komplizierter als beispielsweise ein Auto, welches mit Benzin angetrieben wird. Ein Erdgasauto hat einen gewöhnlichen Ottomotor, der eben mit Erdgas und nicht mit Benzin betrieben wird. Dieses Gas-Luft-Gemisch ersetzt das Gemisch von Benzin und Luft und setzt so die Antriebswelle in Bewegung.

Man unterscheidet dabei zwischen monovalenten und bivalenten Fahrzeugen. Monovalente Autos werden ausschließlich mit Erdgas betrieben, während bivalente Fahrzeuge noch zusätzlich einen Benzintank beinhalten. Den haben monovalente Erdgasfahrzeuge zwar auch, aber dort dient er nur, um im Notfall den Weg zur nächsten Erdgastankstelle bestreiten zu können. Bivalente Autos nutzen den Benzintank dauerhaft und erreichen so eine größere Reichweite. Dabei ist die Leistung allerdings nicht so hoch wie bei monovalenten Fahrzeugen.

Es gibt spezielle Erdgastankstellen, an denen wie bei einer Benzintankstelle getankt werden kann. Der Tankstutzen ist etwas anders geformt, damit er dicht abschließen kann, aber der Tankvorgang an sich dauert nicht länger als bei einem Benziner. An manchen Tankstellen wird dem Erdgas noch Bio-Erdgas, sog. Biogas, beigemischt. Biogas entsteht aus der Vergärung von pflanzlichen Stoffen und landwirtschaftlichen Restprodukten. Dieses Gas wird nach Veredelung ganz normal in das Erdgasnetz eingespeist und kann so auch als Kraftstoff verwendet werden.

Unterschied zwischen Autogas und Erdgas

Oft wird Erdgas mit Autogas verwechselt, dabei unterscheiden sich diese beiden Gase grundlegend voneinander. Bei Erdgas als Kraftstoff handelt es sich um CNG. Diese Abkürzung steht für Compressed Natural Gas und besagt damit schon, was es ist: Ein unter hohem Druck verdichtetes Erdgas. Diese Kompression ist wichtig, da Erdgas in seiner natürlichen Form keine ausreichende Energiedichte besitzt. Das komprimierte Gas besitzt die benötigte Energiedichte und somit wird auch das benötigte Tankvolumen reduziert. Bei Erdgastankstellen wird CNG getrocknet und in einen Zwischenspeicher gelegt, wodurch Vereisungen beim Tankvorgang verhindert werden.

Autogas wird auch als LPG bezeichnet, was für Liquid Petroleum Gas steht. Es handelt sich um Flüssiggas, welches aus Propan und Butan besteht und vorrangig als Nebenprodukt in Raffinerien anfällt. Demzufolge hat Autogas Erdöl zur Basis. Autogas produziert ebenfalls weniger Stickoxide bei der Verbrennung als Benzin, aber doch deutlich mehr als bei Erdgas.

Kosten und Versicherung

Wenn Sie sich für ein Erdgasauto entschieden haben, können Sie entweder Ihr altes Fahrzeug umrüsten lassen oder sich gleich ein neues Modell mit Erdgasantrieb zulegen. Bei einer Umrüstung muss vorab eine Abgassonderuntersuchung durchgeführt werden. Wenn diese erfolgt ist, müssen die Zuleitungssysteme zum Motor und die Ventile angepasst werden. Zudem wird meist unter den Rücksitzen der Gastank eingebaut. Dieser muss durch besondere Sicherheitsvorrichtungen geschützt werden. Nach Abschluss der Umrüstung muss der TÜV oder die DEKRA alle Änderungen abnehmen und ein Sachverständiger prüft das Fahrzeug im Rahmen einer Gas-Systemeinbau-Prüfung.

Abhängig vom Tankmodell muss dieser alle drei bzw. fünf Jahre vom TÜV zusätzlich geprüft werden. Je nach Automodell müssen Sie also bei einer Umrüstung mit Zeitaufwand, Bürokratie und Kosten bis zu 5.000 Euro rechnen. Zusätzlich kommen noch die Kosten der regelmäßigen Prüfungen obendrauf. Beachten müssen Sie hier vor allem den Versicherungsschutz. Durch einen Umbau kann es zu einem Garantieverlust des gesamten Antriebs kommen. Hierbei sollten Sie sich mit einer Zusatzversicherung absichern, die mögliche Schäden durch die Umrüstung abdeckt.

Falls Sie sich diesen zeitlichen und finanziellen Aufwand ersparen möchten, können Sie natürlich auch einen Neuwagen mit Erdgasantrieb wählen. Gängige Modelle werden beispielsweise von Audi, Fiat und Mercedes-Benz angeboten. Auch Seat, Skoda, Opel und VW bieten spezielle Erdgasfahrzeuge an. Ein bereits umgebautes Fahrzeug gibt es schon für weniger als 15.000 Euro. Im Premium-Segment können es aber bis zu 50.000 Euro werden.

Steuerlich ist Erdgas vergünstigt und damit preiswerter als herkömmliche Kraftstoffe. Allerdings gilt diese Vergünstigung nicht für die Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs. Die KFZ-Steuer fällt ebenfalls deutlich geringer aus, da diese auch vom CO2-Ausstoß abhängt. Erdgasautos geben davon sehr wenig in die Umgebungsluft ab, weshalb die KFZ-Steuer dementsprechend niedrig ist.

Vor- und Nachteile eines Erdgasautos

Prinzipiell ist festzuhalten, dass Erdgasfahrzeuge trotz der höheren Anschaffungskosten und dem Aufwand bei einer Umrüstung, einige Vorteile gegenüber herkömmlich betriebenen Autos bieten:

  1. Es ist umweltfreundlicher. Mit einem Erdgasauto können Sie erheblich dazu beitragen, Ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
  2. Erdgas wird subventioniert und ist deshalb im Vergleich zu Benzin oder Diesel deutlich günstiger.
  3. Erdgasfahrzeuge sind zudem bis zu 10 % effizienter als Benzinmotoren.
  4. Auch durch den Transport des Erdgases wird weniger die Umwelt belastet, da es via Leitungen direkt zu den Tankstellen gefördert wird.
  5. Mit entsprechenden Fördermöglichkeiten kann bei der Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs gespart werden.

Die Entwicklungen rund um diese umweltfreundlichen Modelle sind noch nicht abgeschlossen, dementsprechend gibt es momentan noch ein paar Nachteile diesen Fahrzeugen gegenüber:

  1. Noch ist die Infrastruktur nicht so gut ausgebaut. In Deutschland gibt es ca. 1.000 Erdgastankstellen. Im Ausland sieht es da teilweise schlechter aus.
  2. Die Erdgas-Modellauswahl der verschiedenen Automobilanbieter ist zu dem heutigen Zeitpunkt eher eingeschränkt.
  3. Der Erdgastank nimmt relativ viel Platz in Anspruch, weshalb bei manchen Auto-Modellen etwas an Ladefläche eingebüßt werden muss.
  4. Die Anschaffungskosten sind höher als bei herkömmlich betriebenen Fahrzeugen.
  5. Auch Einbußen bei Leistung und Reichweite müssen bei Erdgasautos in Kauf genommen werden.

Fazit

Wenn Sie sich ein Erdgasauto anschaffen möchten, sollten Sie einige Überlegungen anstellen. Hinterfragen Sie zuerst, wofür Sie Ihr Auto vorzugsweise benötigen: Brauchen Sie es, um täglich zu Ihrer Arbeitsstelle in 5 Kilometer Entfernung gelangen oder möchten Sie auch weite Reisen ins Ausland unternehmen? Ersteres ist kein Problem mit einem Erdgasauto, da die Dichte an Erdgastankstellen in Deutschland bereits ganz gut abgedeckt ist. Bei Auslandsreisen wird dies allerdings schon schwieriger.

Apropos Erdgastankstellen: Wissen Sie, ob sich bei Ihnen in der Nähe genügend befinden? Denn selbst wenn Sie nur in der direkten Umgebung unterwegs sind, könnte es eine Herausforderung für Sie werden, Ihr Erdgasauto regelmäßig zu betanken. Auskunft kann Ihnen hier der ADAC geben.

Schließlich ist es natürlich wichtig, dass sich nicht nur der bürokratische, sondern auch der finanzielle Aufwand lohnt. Fahren Sie so viel mit Ihrem Auto, dass sich eine Umrüstung oder ein Neukauf auch wirklich lohnt? Hierbei können Ihnen sogenannte Amortisationsrechner im Internet Auskunft geben. Damit ermitteln Sie die Fahrstrecke, die Sie mit dem Fahrzeug zurücklegen müssen bis sich der Anschaffungspreis amortisiert hat. Allen ist folgende Formel gemein:

(Investitionshöhe x 100) : [(Durchschnittlicher Verbrauch l/100 km x Benzinpreis) –
(Durchschnittlicher Verbrauch kg/100 km x Erdgaspreis)] = Fahrstrecke (km)

Erdgas ist als Kraftstoff genauso effizient wie als Energieträger und dabei umweltfreundlicher als andere Kraftstoffe. Dennoch will ein Kauf oder eine Umrüstung wohlüberlegt sein. Sollten Sie auf Erdgas umsteigen wollen, hilft Ihnen PST Energie gerne weiter und berät Sie ausführlich zur Versorgung mit klimaneutralem Erdgas.