So kommt das Erdgas nach Deutschland

So kommt das Erdgas nach Deutschland

Erdgas ist umweltfreundlich, effizient, günstig und definitiv noch bis ins nächste Jahrhundert verfügbar. Diese Vorteile können die Deutschen unterstreichen. 2016 wurden laut der Studie "Statistical Review of World Energy" von BP hierzulande 80,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. 1980 waren es mit 58,3 Milliarden Kubikmeter noch deutlich weniger. Deutschland bezieht Erdgas hauptsächlich aus Norwegen, Russland und den Niederlanden, wobei es auch in Deutschland Erdgasquellen gibt. Diese decken allerdings nur 10 Prozent der gesamten Erdgasversorgung in Deutschland ab, weshalb Erdgas hauptsächlich aus den genannten Ländern importiert wird. Doch wie gelangt Erdgas aus Norwegen, den Niederlanden oder Russland überhaupt zu uns? Und wie ist es genau um die Erdgasreserven bestellt? Der folgende Beitrag soll diese Fragen klären.

Weltweite Erdgasressourcen

Im Jahr 2016 beliefen sich die globalen Erdgasreserven auf ungefähr 187 Billionen Kubikmeter, wie aus der oben bereits genannten Studie von BP hervorgeht. Spitzenreiter ist hier mit 79,4 Billionen Kubikmetern der Nahe Osten. Europa ist auf Platz zwei mit 56,7 Billionen Kubikmetern. Das Schlusslicht bilden Süd- und Mittelamerika mit knapp 8 Billionen Kubikmetern. Für einige vielleicht verwunderlich, aber der Iran liegt mit 33,5 Billionen Kubikmetern noch vor Russland mit 32,3 Billionen Kubikmetern. Katar liegt auf Platz drei mit ungefähr 24 Billionen Kubikmetern Erdgasreserve. Alles in allem sollen die weltweiten Ressourcen so noch für 200 Jahre ausreichen, wenn der Verbrauch gleichbleibend ist.

Bei der Förderung von Erdgas gibt es ein etwas anderes Bild: Hier ist die USA im Jahr 2016 Spitzenreiter gewesen, mit einem Anteil von 21,1 % an der weltweiten Erdgasförderung. Damit haben die Vereinigten Staaten den ehemaligen Gas-Riesen Russland auf den zweiten Platz verwiesen, dennoch beansprucht Russland noch 16,3 % der weltweiten Erdgasförderung.

Erdgastransport nach Deutschland

Noch 2006 bezog Deutschland sein Erdgas zu 16 % aus eigenen Quellen. Mittlerweile sind es nur noch 7 %. Der Rest des Erdgasbedarfs wird hauptsächlich aus Russland, Norwegen und den Niederlanden importiert. Mitunter liegt dies daran, dass Erdgas hauptsächlich in Küstennähe mit einem hohen Angebot an organischen Substanzen entsteht, welches in Deutschland nicht im benötigten Maße zur Erdgasproduktion zur Verfügung steht.

Bis das Erdgas in unserem Haushalt ankommt, vergehen einige Tage. Es kommt entweder von den Bohrinseln oder Förderstationen zunächst in eine Verdichterstation und wird dann an die Übergabestation, also das Versorgungsunternehmen, weitergeleitet. Kommt das Gas aus einem Erdgasspeicher, wo es bereits verdichtet wurde, so wird es von dort direkt an den Versorger weitergeleitet. Der Versorger wiederum leitet das Gas dann an den Endverbraucher. Doch wie muss man sich die Weiterleitung des Gases zum Endverbraucher vorstellen? Dies geschieht nicht wie bei anderen fossilen Energieträgern, wie beispielsweise Erdöl, via Transport mit LKW oder Schiff, sondern unterirdisch mithilfe von Rohrleitungen, den sogenannten Pipelines.

Legt man nun alle Pipelines, die Deutschland mit seinen Förderländern verbindet, aneinander, ergibt sich eine Gesamtlänge von über 5.000 Kilometern. Über die bereits genannten Verdichterstationen wird der richtige Druck erzeugt mit dem das Erdgas durch diese unterirdischen Leitungen geschickt wird. Anfangs ist beim Transport über große Entfernungen ein Durchmesser von 1400 mm ideal. Die Verdichterstationen halten hier den Druck konstant, damit sich die Erdgasteilchen zügig fortbewegen können. Zum Vergleich: Ein Gaspartikel ist ungefähr mit der Geschwindigkeit eines Mopeds unterwegs. Bevor das Gas aus den Fernleitungen in die Gasverteilungsnetze mit einer geringeren Nennweite eingespeist werden kann, muss der Gasdruck wiederum in einer speziellen Anlage auf etwa ein Zehntel reduziert werden. Nur so kann es gefahrlos im Haushalt verwendet werden.

Gas aus Norwegen

Norwegen deckt ungefähr 30 % des deutschen Erdgasverbrauchs ab. Durch die Unterwasser-Trassen Europipe I und Europipe II gelangt das Erdgas von der Bohrinsel Ekofisk in der Nordsee in das ostfriesische Dornum. Mit der dritten Pipeline Norpipe wird das Erdgas ebenfalls von Ekofisk nach Niedersachsen transportiert. Allerdings ist hier das Ziel Emden. Betrieben wird diese Strecke von dem norwegischen Unternehmen Gassco. Im Jahr 2016 wurden so rund 116,6 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert.

Gas aus Russland

Über Russland bezieht Deutschland über ein Drittel seines Erdgases. Hierbei spielt das Gasfördergebiet in der Region Nadym-Pur-Taz eine tragende Rolle. Über die Jamal-Pipeline versorgt Russland Deutschland mit Gas. Das Gas wird über eine Strecke von 4.200 km transportiert. Dabei kreuzt sie Russland, Weißrussland und Polen. Mit einer zweiten Pipeline wird die Jamal-Pipeline mit der Transgas verbunden. Über die Ukraine gelangt das Gas nach Deutschland, um genauer zu sein erreicht uns das Gas im bayerischen Waidhaus.

Eine weitere wichtige Verbindung ist die Nord-Stream-Trasse, die das russische Wyborg mit Lubmin in der Nähe von Greifswald verbindet. In Lubmin wird das Erdgas durch die Anschlussleitungen OPAL und NEL in das europäische Gasnetz weitergeleitet. Die genannten Pipelines gewinnen ihr Erdgas aus den Erdgasfeldern Sibiriens.

Gas aus den Niederlanden

Die Niederlande sind ein weiterer wichtiger Exporteur von Erdgas nach Deutschland. Dieses geschieht in der Hauptsache aus den großen Erdgasvorkommen bei Groningen. Hier werden fast 40 Milliarden Kubikmeter erschlossen.

Aber Achtung: Die Niederlande stellen 2030 ihre Gastransporte nach Deutschland ein. Grund dafür sind Erdbeben, welche seit 2012 die Stadt Huizingen und die Umgebung erschüttern. Huizingen liegt zwischen Groningen und der Nordsee direkt über dem niederländischen Gasfeld. Die Erdbeben sollen durch die Förderung verursacht worden sein. Aus diesem Grund wollen die Niederlande die Förderung schrittweise reduzieren und in der Zukunft auf den Eigenbedarf eingrenzen.

Deutsche Nutzer werden spätestens 2027 von ihrem Versorger benachrichtigt, ob die eigene Gasheizung aufgrund der unterschiedlichen Gasqualität des Erdgases aus Groningen im Vergleich zu anderen Gasquellen umgerüstet werden muss. In der Regel kostet die Umrüstung den Kunden nichts. Finanziert wird dies vom Versorger und Netzbetreiber. Sollte Ihre Heizung allerdings älter sein und komplett ersetzt werden müssen, müssen Sie dies vermutlich selbst zahlen.

Erdgasversorgung aus heimischen Quellen

Auch Deutschland betreibt mehrere Erdgasförderungen. Knapp 10 % der Gesamtversorgung werden direkt aus Deutschland abgedeckt. Es gibt vier Hauptfördergebiete: das Molasse-Becken am Alpenrand, der Oberrhein-Graben in Baden-Württemberg und Hessen, das Thüringer Becken und das Norddeutsche Becken. Letzteres leistet bei der Erdgasförderung den größten Beitrag. Neben der DEA Group ist auch das amerikanische Unternehmen ExxonMobil an der Erdgasförderung beteiligt.

Zukünftige Förderungsmöglichkeiten

Deutschland plant langfristig die Erschließung neuer Bezugsquellen. Unter anderem soll Gas aus Aserbaidschan über die Transadriatische Gaspipeline nach Deutschland gelangen. Die weltweiten Erdgasreserven werden zwar noch einige Zeit ausreichen, dennoch macht sich die Regierung bereits Gedanken, wie sie die Lieferquellen diversifizieren und damit die Versorgung mit Erdgas sichern kann. Biogas wird beispielsweise heute schon mit in die Versorgungsleitungen eingespeist. Dieses spezielle Gas stammt aus der Vergärung von Biomasse und bildet somit eine planbare Energiequelle.

Auch unsere Firmengruppe betreibt eigene Erdgasquellen in der Nordsee und kann so einen Beitrag zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks leisten. Wir beraten Sie gerne zu allen Themen rund um die Versorgung mit Erdgas.